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Andreas Keller's Abenteuer

In einem Monat von Mexico – Costa Rica, August 2001

Buenos dias

Ziel war es in einem Monat von Mexico City nach Costa Rica per MTB zu gelangen. Die Idee war einen Schweizer Kollegen in San José (Costa Rica) zu besuchen. Einfach dort hinfliegen war zu langweilig bzw. zu einfach. Am 1. September 2001 (kurz bevor 9/11 geschah) musste ich jedoch wieder in der Schweiz sein, wegen des ersten Arbeitstages bei der neuen Stelle.
Während der Reise war deshalb keine Zeit um ein Tagebuch oder Blog zu schreiben und hatte es auch nie nachgeholt, weil die Reise heute noch im Kopf präsent ist. Man kann das Erlebte so oder so kaum in Worte fassen, geschweige mit Fotos oder Videos beschreiben. Ausserdem wollte ich jede Minute der Reise geniessen. Man verschwendet oft zu viel Zeit bzw. verpasst das Beste, wenn man während der Reise Berichte schreibt, Fotos schiesst oder Videos dreht.

Ohne spezielles Training oder Vorbereitung verpackte ich mein rotes Cannondale MTB in eine Kartonschachtel und dann ging es per Flug über die USA nach Mexico City los.
Die Hotelangestellten in Mexico City sehe ich noch vor mir, wie sie sich bekreuzten, bevor ich mit meinem Bike quer durch die Stadt nach Süden losfuhr. Bereits der Weg von Mexico City nach Cuernavaca (1 Autofahrstunde südlich von Mexico City) war die Höhenlage klar zu spüren, u.a. musste ein Hügel bewältigt werden, auf den ich mit meiner dürftigen Vorbereitung nicht gefasst war. In Cuernavaca ein kurzer Besuch bei einer Familie, die ich kenne. Am nächsten Tag ging es bereits weiter. Über Oaxaca, in das Gebiet Chiapas gelangte ich nach ein paar Tagen an die Grenze zu Guatemala, vorwiegendlich per Bus.
Die Abfahrt zum See „Lago de Atitlán“ nach Panajachel war haarsträubend. Mehrmals musste man mit dem vollbepackten Bike anhalten, dass die Radfelgen nicht zu heiss geschliffen wurden.

Während eines Buswechsels, immer noch in Guatemala, hätte ich mich fast entweder von meinem Gepäck oder MTB verabschieden müssen. Die beiden Busse fuhren langsam in entgegengesetzter Richtung auseinander. Während ich meine Sachen versuchte vom einen Busdach zu holen, war ein „Helfer“ des anderen Gefährts bereits eifrig an der Arbeit mein Bike aufzuladen. Mit schreien mitten auf dem Dorfplatz und allen spanischen Wörtern, die ich damals kannte, konnte die Panne im letzten Moment verhindert werden. Die zahlreichen Dorfbewohner amüsierten sich natürlich köstlich auf meine Kosten, weil es offensichtlich kein alltägliches Ereignis war.

El Salvador, Honduras und Nicaragua wurde aus Zeitgründen grösstenteils mit dem Bus bewältigt. Wobei die Übernachtungen jeweils schon genügend abenteuerreich waren. In El Salvador wollte der Unterkunftsinhaber mein Bike abkaufen. In Nicaragua hörte man Schüsse, die unmittelbar vor meinem Zimmer fielen. Tatsächlich sah man, dass fast jedes Haus Einschusslöcher hatte.
Es gab jedoch auch schöne Momente. Als ich Kleingeld auf dem Bussitz vergessen hatte und der Bus bereits am losfahren war, ging plötzlich die Hecktür nochmals auf. Eine Einheimische junge Frau streckte mir das Geld entgegen. Aus Respekt nahm ich es, obwohl man genau sah, dass sie es 1000 Mal nötiger gehabt hätte, das Geld zu behalten.

Die Grenzübergänge waren jeweils kritisch. Das war auf den ersten Blick einerseits ein grosser Markt, andererseits ein Treffpunkt Krimineller. Das man ohne grössere Zeitverzögerung die Grenzen überqueren konnte, musste man mit Hilfe der Einheimischen einige Tricks anwenden (natürlich nur gegen Bezahlung geringer Dollar Beträge). Der grosse Vorteil als Veloreisender bekam man zu spüren, indem man nicht als wohlhabend eingestuft wurde. Veloreisender bedeutete: Leute die kein Geld für Transportmittel haben.

Costa Rica war dann verhältnismässig sicher. Wobei ich mich nach der Grenzüberquerung von Nicaragua nach Costa Rica wieder einmal ziemlich mit der Distanz zum nächsten Dorf verschätzte und in die Nacht hineinfuhr. Weil es das erste Mal auf der Reise dunkel wurde, während ich noch im Sattel sass, war mir bis dahin auch nicht aufgefallen, dass ich das Licht vergessen hatte. Soviel zum Thema seriöse Reisevorbereitung.
Zur grossen Überraschung fand in diesem Dorf nahe an der Grenze zu Nicaragua ein improvisiertes MTB Cross Country und ein Downhill Rennen am Fusse eines Vulkans statt. Da konnte man nicht widerstehen und fiel als einziger ausländischer Teilnehmer natürlich sofort auf. Nicht zuletzt, weil ich beim Downhill Rennen überheblich wurde und einen heftigen Sturz hatte. Dank Helm hatte ich nur ein aufgeschürftes Gesicht, Arme, Beine, etc..
Beim Cross Country Rennen am nächsten Tag hatte ich mit meinem Ausländerbonus und weil mich spätestens nach dem spektakulären Sturz vom Vortag die meisten kannten, erfreulicherweise umso mehr „Fans“ an der Strecke. Mit „Suizo“ (Schweizer) feuerten mich die Einheimischen mit latainamerikanischen Temprament an, schönes Erlebnis! Die Schmerzen des Sturzes gingen so für kurze Zeit vergessen.

Danach kam dann endlich das Treffen mit dem Kollegen in San José zustande. Es war eine spannende Zeit. Dieser Kollege war Torhüter bei einer Fussballmannschaft („Carmelita“) in der 1. Liga Costa Rica’s. Deshalb kannte man uns überall sobald wir auf der Strasse waren. Die Einheimischen, die „Ticos“ sind sehr herzlich und lebendig, wie man es sich von den Lateinamerikanern gewohnt ist.

Trotz Schmerzen des Sturzes beim Down Hill Rennen (die Wunden verheilen in tropischen Klima langsamer), entschied ich mich ein paar Tage vor meinem Rückflug noch für eine 400km Tour entlang der Pazifikküste. Ich bin nicht so der Natur Typ. Aber das haute selbst mich um. Die wilde Küste mit der reichen Vegetation und der Tierwelt waren sehr eindrücklich, siehe Foto auf dem Küstenweg. Noch nie hatte ich so grosse Wellen an einer Küste gesehen. Dort war auch der Schauplatz des Films „Kolumbus“ der u.a. mit Gérard Depardieu gedreht wurde.
Auf der Strasse wimmelte es von toten Schlangen, die in der Nacht von Autos überfahren wurden. Zudem hatte es in den Flüssen zahlreiche Krokodile. Delikat war es deswegen, weil die Flüsse zu der Zeit viel Wasser führten. Die vielen brüchigen Brücken, die man überqueren musste, befanden sich kurz vor der Überschwemmung. Dementsprechend war es ratsam die Brücken möglichst schnell zu Überqueren, siehe Foto.

Empfehlen würde ich diese einmonatige Tour nicht mehr, weil es mit den Grenzerfahrungen ein paar Mal (zu) gefährlich wurde und deshalb teilweise leichtsinnig war. Nicht zuletzt weil ich alleine unterwegs war.
Die Reise klingt vielleicht mit Worten und Fotos nicht so spektakulär, aber ich hatte noch nie in einem Monat so viel auf einmal erlebt. Nach 12 Jahren schreibe ich in einer halben Stunde das erste Mal das Erlebte auf. Es kommt mir so vor, ob es erst eben gestern stattgefunden hat.

Saludos cordiales
Andreas Keller

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