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meinabenteuer.ch

Michael Künzler's Abenteuer

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Als ich in Bolivien wellnessen war…

Was ich am Fahrradreisen besonders mag: Sobald man am Morgen die Haferflocken heruntergeschlungen, das Zelt verpackt, das Fahrrad beladen und die Zähne geputzt hat, kann alles passieren! Man weiss nie, was der Tag bereit hält. Sicher gibt es solche, an denen man einfach seine Kilometer abstrampelt. Doch in Erinnerung bleiben die, an denen man kämpft, schwitzt, hofft, staunt und geniest:

Ich schwang mich also mit frisch glänzenden Zähnen auf meinen noch immer recht harten Ledersattel, bereit für einen neuen Tag abseits der besseren Pisten im bolivianischen Altiplano. Einfach der roten Linie auf der handgemalten Karte, die ich ein paar Tage zuvor in La Paz gekauft hatte, folgen. Sollte nicht all zu schwierig werden. Natürlich sollte es…

Nachdem ich bis zum Mittag recht zügig auf der ruckeligen Kiesstrasse voran gekommen war, stand ich nun am Rio Blanco. Die rote Linie tauchte vor meinen Füssen ins glitzernde Wasser, um mir dann vom anderen Ufer aus vergnügt zuzuwinken. Keine Brücke… Also Schuhe ausziehen und einmal die geschundenen Füsse abkühlen. Etwas besorgt schaute ich auf die Karte, auf der die Strasse noch weitere drei mal mit dem Fluss kreuzt.

Die Sonne schien mich heute wenig zu mögen, genau so wie die sandige Piste, die mich mal wieder zum Schieben zwang. Gegen vier Uhr musste ich mich dann einfach mal hinsetzen. Von den neun Liter Wasser, die für zwei Tage reichen sollten, war nicht mehr all zu viel übrig. ‘Hätte ich doch Flusswasser mitnehmen sollen? Vielleicht gibt’s im nächsten Dorf Wasser. Malcu Chussi… Hoffentlich nicht nur wieder ein paar Ruinen, so wie die letzten paar Punkte an der roten Linie.’ Also weiter. “Diese verf&%@
sch¿#≠ Strasse!” Zum Glück war weit und breit niemand zu sehen: Er hätte sich über die kräftigen spanischen Flüche mit starkem schweizerischen Dialekt sicherlich gewundert die ab und an durch die karge Pampa flogen.

Mit dem frischem Wasser aus einer Quelle beim Dorf beladen (zuerst die Lamas weg scheuchen), traf ich wenig später auf einen netten einheimischen Motorradfahrer. ‘Spanisch ist das aber nicht, oder?’ dachte ich, als er mir scheinbar etwas erklären wollte. Ich zeigte ihm die Karte und deutete auf mein heutiges Ziel: “Sajama!” Er schien zu begreifen und fuhr mit dem Gestikulieren fort. Ich fühlte mich, als würde ich Tabu spielen. Anscheinend war die Strasse kaputt und er wüsste eine super Abkürzung (zumindest war das meine Vermutung). Also aufsitzen und dem Motorrad folgen. Nach ein paar Minuten zeigte er mir einen hübschen Feldweg durch die Pampa und rauschte davon. Sollte ich es wirklich wagen? Wasser hatte ich ja wieder genug…

Endlich war der Vulkan in Sicht! Die Aussicht, am Abend in einer heissen Quelle die müden Glieder zu entspannen, war einfach zu verlockend gewesen. Definitiv zu viel Arbeit heute. ‘Da! Ein hölzernes Schild am Strassenrand weisst zur Therma Sajama.’ Doch die Strasse wollte mir heute überhaupt nichts gönnen. Ein letztes Mal streute sie mir Sand in den Weg. Schieben, schieben, schieben! Immer die heisse Quelle vor dem geistigen Auge. Bei einer Lehmhütte nach dem Weg fragen: Scheinbar war die Quelle von Sajama noch weit entfernt. Doch die etwas schrullige Frau deutete immer wieder von der Piste weg in eine bestimmte Richtung. Tatsächlich dampfte es dort hinter dem Grashügel etwas. Ich packte also mein Fahrrad und ging offroad über den versalzenen Rasen. Und landete direkt im Paradies!….

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Beat Strickler

Gratuliere, Gruss, CaminoBeat
Siehe http://www.facebook.com/jakobswegperFLYER

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